Von einem Rechtshänder mit der linken Hand geschriebenes Testament kann gültig sein

Es ist nicht zwingend vorgeschrieben, dass Rechtshänder ihr Testament auch mit der rechten Hand schreiben. So hat das Oberlandesgericht (OLG) Köln ein mit der linken Hand geschriebenes Testament eines im Alter von 62 Jahren verstorbenen Mannes anerkannt, der wegen einer von seiner Krebserkrankung ausgelösten Lähmung den rechten Arm nicht mehr nutzen konnte. Das entscheidende Problem bei einem mit der anderen Hand geschriebenen Testament ist allerdings die Beweisführung, ob das Testament wirklich vom Erblasser stammt, oder ob es sich um eine Fälschung handelt (OLG Köln, Beschluss vom 03.08.2017, Az.: 2 Wx 149/17 u.a.).

Im Fall des 62-Jährigen waren nach seinem Tod zwei vermeintliche Testamente aufgetaucht. Beide waren mit dem Wort „Testament“ überschrieben und mit dem Namen des Erblassers unterzeichnet worden. Das eine Schriftstück wies die Nachbarn des Verstorbenen als Erben aus, das andere bezeichnete einen Verwandten des Erblassers als Erben. Die Nachbarn hatten aufgrund des sie begünstigenden Testamentes einen Erbschein beantragt, woraufhin die Geschwister des Erblassers einwandten, beide Testamente seien unecht. Sie machten geltend, daher aufgrund der gesetzlichen Erbfolge zu Erben berufen zu sein.

In Einklang mit dem Nachlassgericht stufte das OLG das zugunsten der Nachbarn ausgestellte Testament als gültig ein und sprach ihnen einen Erbschein zu. Das OLG stellte klar, dass auch ein mit der schreibungewohnten linken Hand geschriebenes Testament eine wirksame letztwillige Verfügung enthalten kann. Dem stand dem Gericht zufolge auch nicht entgegen, dass das Schriftbild des Erblassers trotz Nutzung seiner schreibungewohnten Hand relativ gleichmäßig aussah. Eine der beteiligten Parteien hatte dies als Argument gegen die Urheberschaft des Erblassers vorgebracht. Das OLG wies jedoch darauf hin, dass es Menschen gibt, die mit ihrer schreibungewohnten Hand ein regelmäßiges Schriftbild erzeugen können.

Letztlich kam das Gericht jedoch erst nach einer umfangreichen Beweisaufnahme zu seiner Überzeugung. So wurden Zeugen vernommen, ein graphologisches Gutachten und eine schriftliche Stellungnahme des behandelnden Arztes eingeholt. Zwar gab es kein vergleichbares Schriftstück des Erblassers, sodass der graphologische Gutachter Probleme bei der Bestimmung des Schriftbildes hatte, doch konnte ein Zeuge glaubhaft bestätigen, bei der Abfassung des mit der linken Hand geschriebenen Testaments anwesend gewesen zu sein.

Das zweite Testament stammte den Untersuchungen zufolge nicht vom Erblasser. Es war nicht nur ohne Absender beim Nachlassgericht eingegangen, sondern – belegt durch sein Datum – auch später als das Testament zugunsten der Nachbarn erstellt worden. Da der Erblasser zu diesem Zeitpunkt mit der linken Hand nur noch krakelig schrieb, konnte diese Fassung alleine schon aufgrund des Schriftbildes nicht von ihm stammen. Im Nachlassverfahren konnte allerdings nicht geklärt werden, wer dieses Testament gefälscht hatte.


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