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Der Umgang mit einem geerbten Unternehmen

Es passiert immer wieder: In der Blüte seines Lebens stirbt der Unternehmer, sei er Handwerker, Freiberufler, Kaufmann, Inhaber eines produzierenden Betriebs, und hinterlässt eine darauf nicht vorbereitete Witwe und oder vielleicht sogar noch minderjährige Kinder. Nicht immer ist für diesen Fall ausreichend Vorsorge getroffen (siehe „Vermögensübertragung im Unternehmerhaushalt").

Worauf ist in einem solchen Fall besonders zu achten?

Michael Grüßenmeyer: Als erstes ist zu klären, ob es Regelungen dazu gibt, wer in das Unternehmen nachfolgt. Das kann in einem Gesellschaftsvertrag geregelt sein durch sogenannte Nachfolgeklauseln. Das kann auch in einem Testament oder Erbvertrag geregelt sein. Sonst gilt das gesetzliche Erbrecht, nach dem die Abkömmlinge oder (falls Abkömmlinge nicht vorhanden sind) die Eltern des Verstorbenen Erben sind. Daneben tritt als gesetzlicher Erbe der Ehegatte zu ½, wenn er im gesetzlichen Güterstand lebt (Einzelheiten zur gesetzlichen Erbfolge).

Sodann muss überlegt werden, ob unter den Erben jemand bereit und in der Lage ist und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, den Betrieb fortzuführen. Wenn dazu jemand bereit steht, sind die Fragen einer gerechten Erbauseinandersetzung mit eventuell zu erbringenden Ausgleichsleistungen zu klären.
Wenn der Betrieb nicht fortgeführt werden kann, muss geklärt werden, wie er veräußert werden kann. Dazu muss eine Wertermittlung erfolgen, die am besten durch den Steuerberater gewährleistet werden kann.

Wenn minderjährige Kinder am Nachlass beteiligt sind, wird die Veräußerung des Betriebs im Wege der Erbauseinandersetzung oder an einen Dritten der Zustimmung des Familiengerichts bedürfen.

Ganz wichtig sind die steuerlichen Folgen: Wird das Unternehmen durch einen Erben fortgesetzt, ist sein Erwerb erbschaftsteuerrechtlich privilegiert. Bei Veräußerung oder Stilllegung können die Vorteile nicht genutzt werden.

Auch die Beendigung des Betriebs kann ertragsteuerliche Folgen haben, wenn Betriebsvermögen dadurch in Privatvermögen überführt wird und sogenannte Aufgabegewinne entstehen, die aus der Differenz des Verkehrswerts des entnommenen Wirtschaftsguts und dem Buchwert nach Abschreibung entstehen.
Folgende Stellen sollten um Hilfe gebeten werden:

  • Der Steuerberater, der das Unternehmen bisher betreut hat
  • Ggf. der Rechtsanwalt, der das Unternehmen bisher betreut hat,
  • ergänzend ein erb- und Familienrechtlicher Berater für die Fragen der Erbauseinandersetzung und der Beteiligung von Minderjährigen an dem Nachlass
  • ggf. berufsrechtliche Organisationen (Handwerkskammer, Ärztekammer, Steuerberaterkammer, Architektenkammer, Anwaltskammer) für Hilfestellung zur Abwicklung oder Fortsetzung des Unternehmens

 

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"Ganz wichtig sind die steuerlichen Folgen. Wird das Unternehmen durch einen Erben fortgesetzt, ist sein Erwerb erbschaftsteuerrechtlich privilegiert. Bei Veräußerung oder Stilllegung können die Vorteile nicht genutzt werden."

Michael Grüßenmeyer ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familienrecht und Fachanwalt für Erbrecht