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Die Erbschaft ist das Vermögen einer verstorbenen Person

Eine vage Vorstellung, was eine Erbschaft ist, haben viele Menschen. Die juristisch korrekte Definition ist hingegen eher unbekannt, wenngleich sie ein Paradebeispiel für eine schlichte juristische Formulierung ist. Nach § 1922 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist die Erbschaft das Vermögen einer verstorbenen Person. Diese Erbschaft geht als Ganzes auf eine oder mehrere Personen, also die Erben, über.

Es wäre jedoch fatal zu glauben, jeder Nachlass bestehe nur aus Vermögenswerten. Nicht selten sind auch Schulden vorhanden. Und die spielen im Erbfall eine ganz besondere Rolle. Denn Schulden gehören zu den Nachlassverbindlichkeiten. Die Tücke: Für die Nachlassverbindlichkeiten haftet der Erbe – wenn er nicht rechtzeitig durch die gesetzlich vorgesehenen Schritte für eine Haftungsbegrenzung sorgt – mit seinem gesamten Vermögen.

Nachlassverbindlichkeiten umfassen mehr als nur die Schulden des Erblassers. Hierzu zählen auch jene Verbindlichkeiten, die den Erben direkt treffen: Vermächtnisse, Auflagen und Verbindlichkeiten aus Pflichtteilsrechten.

Um einen Erben nicht mit Verbindlichkeiten zu überfordern, räumt das Gesetz die Möglichkeit ein, die Erbschaft auszuschlagen. Dies geht allerdings nur insgesamt, sodass dem Erben dann auch keine Vermögenswerte aus der Erbschaft zustehen. Zudem ist ein Abkömmling, der die Erbschaft ausschlägt, in der Regel nicht mehr pflichtteilsberechtigt.

Die Ausschlagung muss innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis von der Erbschaft gegenüber dem Nachlassgericht erklärt werden. Die Ausschlagung ist nicht mehr möglich, wenn der Erbe die Erbschaft ausdrücklich oder durch schlüssiges Tun, z.B. das Einverleiben des Nachlasses in sein Vermögen, angenommen hat.

Die Versäumung der Ausschlagungsfrist oder die Annahme der Erbschaft kann aber unter Umständen noch durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht angefochten werden, beispielsweise weil sich der Erbe über die Werthaltigkeit des Nachlasses geirrt hat, weil ihm bestimmte Nachlassverbindlichkeiten noch nicht bekannt waren. Dies muss ggf. binnen sechs Wochen erfolgen, sobald der Erbe von seinem Irrtum Kenntnis erlangt.