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Bei einer Erbschaft wirft das Finanzamt ein wachsames Auge auf den Erben

Während die meisten gängigen Steuern an die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen anknüpfen, stellt die Erbschaftsteuer alleine auf den Anfall der Erbschaft ab. Eng verbunden ist sie mit der Schenkungsteuer, was verhindern soll, dass unter Lebenden steuergünstige Gestaltungsmöglichkeiten genutzt werden, die bei einem Todesfall so nicht möglich wären.

Die Erbschaftsteuer fällt an bei einem Erwerb

  • durch Erbanfall
  • durch Vermächtnis und vermächtnisähnliche Erwerbe
  • aufgrund eines geltend gemachten Pflichtteilanspruchs
  • durch Schenkung auf den Todesfall
  • aufgrund eines vom Erblasser geschlossenen Vertrages, insbesondere einer Lebensversicherungssumme


Die Bewertung der Vermögensgegenstände orientiert sich einheitlich für alle Vermögensarten am gemeinen Wert – oder auch Verkehrswert genannt. Für die einzelnen Vermögensarten gibt es unterschiedliche Verfahren, wie dieser Verkehrswert ermittelt wird.

Steuerschuldner der Erbschaftsteuer ist der Erwerber, soweit er ein Inländer ist. Das Erbschaftsteuerrecht sieht eine Reihe von Anzeigepflichten, etwa seitens der Banken, vor, um eine lückenlose Besteuerung aller Erwerbe zu gewährleisten.

Sowohl der Steuersatz als auch die Freibeträge, die dem Erben zustehen, richten sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis, in dem der Erbe zum Erblasser stand. Einen besonderen Freibetrag gibt es für den Erwerb von Hausrat usw.

Nach langer Diskussion wurde im Ende 2008 reformierten Erbschaftsteuergesetz festgeschrieben, dass zwischen Ehegatten bzw. eingetragenen Lebenspartnern der Erwerb einer Wohnung in einem Haus oder einer Eigentumswohnung steuerfrei bleibt, wenn sie zu eigenen Wohnzwecken genutzt wird, sogenanntes Familienheim. Auch Kinder erben ein Familienheim bis zu einer Wohnfläche von 200 Quadratmetern steuerfrei. Voraussetzung ist allerdings immer, dass der Erwerber das Familienheim zehn Jahre lang nach dem Erwerb selbst zu Wohnzwecken nutzt.

Auch für Erben von Betriebsvermögen wurden neue Regelungen eingeführt. Wer als Erbe für das erworbene Unternehmensvermögen eine Verschönung von 85 Prozent ind Anspruch nimmt, muss das Unternehmen fünf Jahre lang fortführen und dabei bestimmte Lohnsummenvorgaben einhalten. Höher Lohnsummenvorgaben und eine siebenjährige Fortführung des Unternehmens bescheren dem Erben dann eine Verschonung von 100 Prozent.

In bestimmten Fällen, etwas der Nutzung eines geerbten Hauses zu eigenen Wohnzwecken, kann die Erbschaftsteuer gestundet werden. Bei Erwerben von Todes wegen erfolgt die Stundung ohne Erhebung von Stundungszinsen.