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Testament

Das gesetzliche Erbrecht ist in unseren erbrechtlichen Vorschriften niedergelegt. Danach wird ein Erblasser grundsätzlich von seinen Abkömmlingen, also seinen Kindern und hiernach Enkelkind und ggf. seinem Ehepartner beerbt. Sind Kinder nicht vorhanden, dann erben die Eltern entweder neben dem Ehegatten oder, falls ein solcher nicht vorhanden ist, alleine. Sind auch Eltern nicht mehr vorhanden, dann erben Geschwister oder noch weiter entfernte Verwandte. Ist es also überhaupt nötig, ein Testament zu machen?

Sabine Hippler: Ein Testament ist dann erforderlich, wenn dem Erblasser die gesetzliche Erbfolge - und sei es auch nur zu den gesetzlich festgelegten Erbquoten - nicht gefällt. Vielleicht möchte man einen Erbberechtigten insgesamt ausschließen oder doch eine andere Erbquote festsetzen. Vielleicht möchte man auch einzelne Gegenstände Freunden oder einem Lebensgefährten, der kein gesetzliches Erbrecht hat, zuordnen. Vielleicht möchte man auch statt der nur weit entfernt verwandten Familie den Nachlass lieber einer gemeinnützigen Einrichtung zukommen lassen.

Das gesetzliche Erbrecht hat im übrigen häufig die Folge, dass mehrere Personen gemeinsam erben. Sie müssen dann den Nachlass teilen. Verstehen sich die Miterben nicht, kann dies zu schwierigen Streitigkeiten über die Erbauseinandersetzung führen. Besteht nicht der gesamte Nachlass aus in Natur teilbaren Sachen wie Geld oder Aktien, und dies ist regelmäßig der Fall, dann muss bei einem Streit der Miterben alles andere verkauft werden, um sodann den Erlös zu verteilen. Vielfach kann der Erblasser diesem Streit durch ein entsprechendes Testament vorbeugen.

Eventuell sollen auch minderjährige Kinder bedacht werden. Dann ist darüber nachzudenken, ob nicht eventuell ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden soll, bis die Kinder volljährig sind.

Die meisten Testamente werden von den Erblassern alleine errichtet also ohne Notar oder anwaltliche Beratung. Ist es empfehlenswert?

Sabine Hippler: Es ist richtig, grundsätzlich kann jeder ein Testament selber errichten. Er muss es nur insgesamt handschriftlich niederlegen und unterschreiben. Die Frage ist nur, ob er damit dann tatsächlich das erreicht, was er sich vorstellt.

Gerade diese privat im einsamen Zimmer verfassten Testamente führen häufig zu erheblichen Auslegungsproblemen. Was hat der Erblasser gewollt?

Ein Beispiel: Der Erblasser bestimmt, dass seine drei Kinder seine Erben sein sollen. Er hat drei Häuser und bestimmt, welches Kind, welches Haus bekommen soll.

Dies hört sich doch ganz einfach an. Und doch liegen die Probleme im Detail. Stellen wir uns vor, die Häuser seien nicht gleich viel wert. Was gilt dann? Sollen die Kinder je zu einem Drittel erben und müssen sie jetzt untereinander Ausgleichszahlungen erbringen? War dies gewollt?
Was ist, wenn zum Zeitpunkt des Erbfalls ein Haus verkauft ist? Soll dann das Kind, welchem dieses Haus zufallen sollte, gar nichts bekommen?

Das zeigt, gerade bei einem Testament sollte sich der Erblasser grundlegend beraten lassen, damit er mit seinem Testament auch tatsächlich sein Ziel erreicht. Ratgeber im Buchhandel sind sicherlich sinnvoll und helfen, sich in die Materie ein wenig einzuarbeiten. Es gibt in den Büchern und im Internet auch zahlreiche Textentwürfe. Ob aber der gefundene Text tatsächlich die eigene Situation meint, die eigenen Ziele zutreffend umsetzt, ist ungewiss. Ein kleiner Ratgeber kann die Ausbildung und die jahrelange Berufserfahrung von Anwälten und Notaren nicht ersetzen.

Ein Erblasser sollte sich daher zur Erreichung seiner Ziele eingehend und individuell beraten lassen. Da sich das Leben und damit die Lebensumstände eines jeden immer wieder ändern, sollte ein Erblasser auch alle paar Jahre überlegen, ob sein niedergelegtes Testament noch immer der eigenen Lebenssituation entspricht oder ob es angepasst werden muss.

 

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"Privat verfasste Testamente führen häufig zu erheblichen Auslegungsproblemen."

Sabine Hippler ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht