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Das Scheidungsverfahren findet vor dem örtlichen Familiengericht statt

Am Anfang des Scheidungsverfahrens steht der Gang zum Rechtsanwalt. Denn für das Ehescheidungsverfahren gilt Anwaltszwang. Das bedeutet, dass der Ehepartner, der den Ehescheidungsantrag einreicht, durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt vertreten sein muss.

Der andere Partner, der sogenannte Antragsgegner, muss anwaltlich nur vertreten sein, wenn er im Scheidungsverfahren eigene Anträge stellen möchte, also aus seiner Sicht etwas geregelt haben möchte, was über ein bloßes Ja zur Scheidung hinausgeht. Die Zustimmung zur Ehescheidung selbst ist kein eigener Antrag und kann also auch ohne Anwalt erfolgen. Sich durch einen gemeinsamen Anwalt vertreten zu lassen, ist nicht möglich.

Zuständig für Ehescheidungsverfahren sind die örtlichen Familiengerichte. Dies sind spezialisierte Abteilungen der Amtsgerichte. Das Gericht, vor dem die Scheidung behandelt wird, besteht dabei nur aus einer Person, der Familienrichterin oder dem Familienrichter. Ein Geschäftsverteilungsplan regelt, welches Gericht letztlich für den konkreten Fall zuständig ist. Dies kann sich nach den Anfangsbuchstaben des Familiennamens richten, oder aber auch nach den Endziffern des Geschäftszeichens.

Um das Ehescheidungsverfahren in Gang zu setzen, reicht der Rechtsanwalt des Antragstellers einen Schriftsatz beim Familiengericht ein, mit dem der Ausspruch der Scheidung, also die Auflösung der Ehe, begehrt wird. Dieser Schriftsatz kann, wenn sich die Ehegatten über die Scheidung einig sind, knapp gehalten werden. Möchte einer der Ehegatten nicht geschieden werden, muss der Schriftsatz eine ausführlichere Erläuterung enthalten, warum die Ehe gescheitert ist. Wichtig: Auf die Fragen, weshalb die Ehe gescheitert ist oder wer die Schuld daran trägt, kommt es für die Scheidung selbst nicht an.

Nach dem Einreichen des Schriftsatzes ist es Sache des Gerichtes, zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Scheidung vorliegen. Nach § 1565 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kann die Ehe geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Das heißt:

  • Die Lebensgemeinschaft der Eheleute besteht nicht mehr; sie haben in der Vergangenheit also – im Regelfall mindestens ein Jahr – getrennt gelebt.
  • Es kann nicht vermutet werden, dass die Eheleute die Lebensgemeinschaft wieder aufnehmen (negative Prognose für die Zukunft), wozu es genügt, dass das Gericht die Überzeugung gewinnt, dass jedenfalls einer der Ehegatten die Ehe unter keinen Umständen fortsetzen möchte.


Liegen die Voraussetzungen für die Zerrüttung vor, dann darf die Familienrichterin oder der Familienrichter die Scheidung der Ehe nicht verweigern. Es muss auf Antrag eines oder beider Ehegatten geschieden werden. Allerdings müssen auch die Scheidungsfolgen geregelt werden, soweit dies von Amts wegen zu geschehen hat (Versorgungsausgleich) oder ein Ehegatte dies beantragt (Zugewinnausgleich, Nachscheidungsunterhalt). Solange diese Folgesachen nicht entscheidungsreif sind, kann unter Umständen auch die Scheidung noch nicht ausgesprochen werden. Dies erklärt oft die lange Verfahrensdauer.

Ausnahmsweise kann auch schon vor Ablauf der Trennungsfristen geschieden werden. Möglich ist dies bei der Jahresfrist bei – extrem seltenen – Härtefällen und bei der Dreijahresfrist, wenn entweder die Ehefrau oder der Ehemann nachdrücklich bestätigt, auf keinen Fall in die eheliche Lebensgemeinschaft zurückkehren zu wollen.

Sind sie anwaltlich vertreten, müssen die Eheleute bei den Gerichtsverhandlungen nicht immer persönlich anwesend sein. Dann brauchen sie nur zu erscheinen, wenn das Gericht das Erscheinen ausdrücklich anordnet. Dies kann insbesondere der Fall sein, wenn es um die Frage der elterlichen Sorge und um die Voraussetzungen der Ehescheidung geht. Wer anwaltlich nicht vertreten ist, muss hingegen zu jedem Gerichtstermin persönlich erscheinen. Sonst kann gegen ihn ein nachteiliges Versäumnisurteil ergehen.

Geht es zusätzlich zur Scheidung auch um Unterhalt, Güterrechtsfragen etc., besteht für beide Parteien Anwaltszwang. Solche aus der Scheidung resultierenden Fragestellungen müssen vor dem eigentlichen Scheidungsbeschluss geklärt werden, sodass sich dieses durch die offenen Punkte auch stark verzögern kann.

Den Abschluss des Verfahrens bildet der Scheidungsbeschluss. Bei einem gut vorbereiteten Verfahren – die Eheleute sind sich einig und Unterhalts- und Güterrechtsfragen wurden frühzeitig geklärt – ist es meinst eine reine Formsache und kann nach einer kurzen Anhörung der Parteien ergehen. Der Beschluss wird rechtkräftig, wenn die Parteien im Termin auf Rechtsmittel verzichten oder nicht binnen eines Monats Rechtsmittel einlegen.