DSC0076VAR

Warum ein gerechter Ausgleich bei einer Trennung der beste Weg ist

Jede dritte Ehe wird in Deutschland geschieden. In den großen Städten liegt die Quote bei fast 50%. In der Presse begegnen uns eines um andere Mal recht schmutzige Scheidungsschlachten von mehr oder weniger prominenten Personen. Keiner wird sich eine schmutzige Scheidung wünschen. Wo sehen sie eine Lösungsmöglichkeit?

Sabine Hippler: Wir beschäftigen uns in unserer Kanzlei seit vielen Jahren mit den Folgen von Trennung und Scheidung. Gerade in unserem Fachgebiet geht es nicht einfach um die Anwendung von Gesetzen. Eine Trennung/Scheidung ist ein tief greifender Einschnitt im Leben eines Menschen. Menschen in der Trennung sind in einer Lebenskrise, die die verschiedensten Gefühle wir Trauer, Enttäuschung, Wut und Hass auslösen können. Nicht die Vernunft, sondern diese Gefühle leiten vielfach die Auseinandersetzungen der Eheleute.

Wir können unseren Mandanten nicht ihre Gefühle nehmen. Das Trauma der Trennung muss jeder Ehegatte für sich selber verarbeiten. Wir sehen in dieser emotional häufig labilen Situation unserer Mandanten unsere Aufgabe darin, die Auseinandersetzung zu versachlichen und über den heutigen Streit den Blick für die Zukunft zu öffnen.

Es geht häufig um sehr schwierige und zudem existenzielle Fragen. Denken sie z.B. an den Unterhalt. Vereinfacht ausgedrückt geht es dort um die Frage "was krieg ich?" bzw. "was bleibt mir?". Das sind für beide Ehegatten existenzielle Fragen, die geeignet sind, tief greifende Ängste auszulösen.

Dem familienrechtlich erfahrenen Anwalt ist es häufig möglich, für die erforderliche Sachlichkeit zu sorgen, die dann die Grundlage für eine faire Regelung, die die Bedürfnisse beider Partner berücksichtigt, bietet. Dies fördert eine emotionale Beruhigung. Geschieht dies in einem frühen Stadium der Trennung, kann eine Eskalation der Streitigkeiten häufig verhindert werden.

Ein Beispiel: Fühlt sich der Partner, der die Kinder in seinem Haushalt betreut, bei der Unterhaltsfrage übervorteilt und löst dies Existenzängste bei ihm aus, dann besteht die Gefahr, dass die Kinder bzw. die Frage des Umgangs- bzw. Besuchsrechts instrumentalisiert wird. Schon kann es zu einer entsprechenden Eskalation kommen. Denn fühlt sich der andere beim Umgangsrecht ausgegrenzt, dann sinkt häufig seine Bereitschaft, sich wirtschaftlich zu beengen und Unterhalt zu zahlen. Angemessene und ausgleichende Regelungen sind die beste Basis, die emotionale Situation zu entlasten. Dies vor allem auch im Hinblick auf die gemeinsamen Kinder, durch welche die Eheleute oder bald geschiedenen Eheleute noch über Jahre verbunden bleiben.

 

"Angemessene und ausgleichende Regelungen sind die beste Basis, die emotionale Situation zu entlasten."

Sabine Hippler ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht