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Mit der Trennung bereiten die Eheleute die Scheidung vor

Eine Ehekrise kündigt sich durch viele kleine Auseinandersetzungen in der Partnerschaft an. In diesem Stadium ist es oft noch möglich, die Krise durch Aussprachen miteinander oder mit Hilfe von Ehetherapeutinnen und Ehetherapeuten zu bewältigen.

Keinesfalls sollte im Rahmen der Eheauseinandersetzungen leichthin die Trennung als Drohmittel genutzt werden. Dafür sind mit ihr zu viele persönliche und vor allem auch juristische Folgen verbunden. Die Trennung ist erst der letzte Schritt, quasi die Folge der Ehekrise. Und sie sollte wohl überlegt sein.

Eine Ehe kann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist und die Eheleute mindestens ein Jahr voneinander getrennt leben.

Die Trennung löst eine Reihe von gesetzlichen Ansprüchen der Eheleute untereinander aus. Einkommensunterschiede können durch Trennungsunterhalt auszugleichen sein. Es entstehen Ansprüche bezüglich der weiteren Nutzung der Ehewohnung und von Haushaltsgegenständen. Die Trennung löst des weiteren verschiedene Ansprüche der Ehegatten auf Erteilung von Auskunft über Einkommen und Vermögen aus. Auch einkommensteuerrechtlich hat die Trennung Folgen: Ab dem Jahr, das auf das Jahr der Trennung folgt, können sich die Ehegatten nicht mehr gemeinschaftlich zur Einkommensteuer veranlagen lassen und sollten dann ab dem Folgejahr in die Lohnsteuerklassen I oder II wechseln.

Das Gesetz spricht bei der Trennung von der Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft sowie dem nach außen erkennbaren Willen, die eheliche Gemeinschaft nicht mehr herstellen zu wollen (§ 1567 Abs. 1 BGB). Die räumliche Trennung des Ehepaares alleine reicht also nicht aus. Eine längere berufliche Abwesenheit der Partnerin bzw. des Partners, getrennte Urlaube oder gar das Absitzen einer Haftstrafe stellen noch keine Trennung im Sinne der Vorschriften des Familienrechts dar.

Trennung bedeutet also nicht nur die vollständige Aufhebung der wirtschaftlichen Lebensgemeinschaft, sondern auch die deutliche Erklärung an den Ehepartner, nicht mehr mit ihm zusammenleben zu wollen.

In der juristischen Praxis ist der Zeitpunkt der Trennung von erheblicher Bedeutung. Doch ergeben sich oft Beweisschwierigkeiten, da es sich um einen Vorgang aus dem innersten Familienleben handelt. Besonders problematisch ist es, wenn die Trennung innerhalb der Wohnung vollzogen wird, was grundsätzlich möglich ist. Die betroffenen Eheleute sollten für Klarheit sorgen, beispielsweise durch eine schriftliche Vereinbarung über den Trennungszeitpunkt.

Schwierig zu bestimmen ist der Zeitpunkt der Trennung auch dann, wenn Ehepaare eine Versöhnung versuchen und für einige Zeit wieder zusammenziehen. Denn oft scheitern diese Versuche und die Eheleute trennen sich erneut. Das Gesetz will diese Versöhnungsversuche jedoch nicht unterbinden bzw. durch juristische Nachteile erschweren. Daher gibt es die ehefreundliche Regelung, dass ein kurzfristiges Zusammenziehen das Trennungsjahr nicht unterbricht (§ 1567 Absatz 2 BGB). Hält die Versöhnung jedoch länger an (drei Monate sind hier in der Regel eine kritische Grenze), dann muss bei einer erneuten Trennung wieder ein volles Trennungsjahr eingehalten werden, bevor die Scheidung vom Gericht ausgesprochen werden darf.