DSC0076VAR

Berechnung des Kindesunterhalts beim Wechselmodell

Der Tabellenbetrag des Kindes wird ebenso wie bei einem volljährigen Kind aus dem beiderseitigen addierten Familieneinkommen und der hierdurch bestimmten Einkommensgruppe ermittelt.

Eventuelle Mehrkosten (erhöhte Wohnkosten durch Kinderzimmer in der Wohnung jedes Elternteils, erhöhte Fahrtkosten) werden diesem Tabellenunterhalt hinzuaddiert.

Das halbe Kindergeld wird auf den so ermittelten Zahlbetrag bedarfsdeckend angerechnet. Nur beim halben staatlichen Kindergeld wirkt sich also eine unterschiedlich hohe Haftungsquote der Eltern zu Gunsten des Mehrverdienenden aus. Die andere Hälfte des Kindergeldes wird am Schluss der Berechnung von dem Elternteil, der das staatliche Kindergeld bekommt, ausgekehrt. Dieses Viertel des Kindergeldes wird also einkommensunabhängig zwischen den Eltern aufgeteilt. Dies folgt daraus, dass beide Eltern in gleicher Weise beim Wechselmodell den Naturalunterhalt/die Betreuung erbringen. BGH FamRZ 2015, 240; FamRZ 2016, 1053

Sollte ein Elternteil einen Mehrbedarf des Kindes alleine tragen, dann wird das bei der weiteren Berechnung des Kindesunterhalts als bereits erbrachte Leistung berücksichtigt.

Beispiel:

Vater: 3.000,00 €
Mutter: 2.000,00 €

Kind: 2. Altersstufe
Mehrbedarf: 50,00 € erhöhte Wohnkosten, jeweils hälftig bei jedem Elternteil; 30,00 € Fahrtkosten - trägt Vater; Sport 30,00 € - zahlt Vater; Klavierunterricht 50,00 € - zahlt Mutter

3.000,00 € + 2.000,00 € = 5.000,00 € = 10. Einkommensgruppe, Düsseldorfer Tabelle, Stand 2016 (das Beispiel ist zitiert nach FamRZ 2016, 1057)

Tabellenbetrag 615,00 € abzgl. 95,00 € hälftiges Kindergeld = vorläufiger Zahlbetrag 520,00 €
Mehrkosten: 25 € + 25 € (Wohnkosten) + 30 € (Fahrtkosten, Vater) + 30 (Sport, Vater) + 50 (Klavier, Mutter) = 160,00 €

Gesamtbedarf nach Abzug des hälftigen Kindergeldes: 615 € - 95 € hälftiges Kindergeld + 160 € = 680,00 €

Aufteilung:
Vater: (3000 - 1300) : (5000 - 2600) x 680 = 482,00 €
Mutter: (2000 - 1300) : (5000 - 2600) x 680 = 198,00 €

Anrechnung erbrachter Leistungen/Kindergeld:
Vater: 482 - 25 - 30 - 30 = 397,00 €
Mutter: 198 - 25 - 50 + 95 1/2 Kindergeld = 218,00 €

Ausgleichszahlung:
(397 - 218) : 2 = 89,50 €

Grundsätzlich hat der Vater also der Mutter 89,50 € auszugleichen. In der vorstehenden Berechnung ist erst die Hälfte des Kindergeldes berücksichtigt worden und zwar bedarfsreduzierend. Jetzt ist noch die zweite Hälfte des Kindergeldes gleichmäßig zwischen den Eltern aufzuteilen, da beide Eltern in gleicher Weise die Betreuung erbringen. Da die Mutter das Kindergeld bezieht, muss sie an dieser Stelle also 1/4 Kindergeld an den Vater abgeben. Im Ergebnis ist also folgendes zu zahlen:

89,50 € - 47,50 € = 42,00 €
Vater hat an Mutter 42,00 € als Ausgleichszahlung zu leisten.